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Planen heisst Prioritäten setzen

4. November 2025

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Glarus Süd schreibt tiefrote Zahlen, die Verschuldung steigt, und der Spielraum für Investitionen schrumpft. Gleichzeitig diskutiert man in der Gemeinde (erneut) über die neue Nutzungsplanung – ein Prozess, der eigentlich die Zukunft sichern sollte. Doch während draussen der finanzielle Sturm tobt, scheint drinnen der Kompass zu fehlen.

Nutzungsplanung ist weit mehr als ein technischer Plan mit Linien und Farben. Sie ist das Fundament jeder wirtschaftlichen Entwicklung. Wer heute festlegt, wo gebaut, gearbeitet oder gewohnt werden darf, legt fest, wo morgen Steuern bezahlt werden. Und genau das ist in Glarus Süd bitter nötig: neues Steuersubstrat, neue Arbeitsplätze, neue Perspektiven.

Statt entschlossen voranzugehen, wirkt die Planung aber oft wie ein Verwaltungsritual: viele Papiere, wenig Richtung. Zwischen Detailfragen, politischen Rücksichten und endlosen Mitwirkungsverfahren geht der Fokus verloren. Die Frage müsste lauten: Wo kann Glarus Süd gezielt wachsen und wo nicht? Doch diese Priorisierung scheuen viele, weil sie unbequem ist.

Fakt ist: Ohne attraktive Bau- und Gewerbezonen kommen keine Unternehmen. Ohne neue
Einwohner schrumpft die Steuerbasis weiter. Und ohne klare Strategie droht Glarus Süd, zum
planerischen Flickenteppich zu werden – mit hohen Folgekosten für alle.

Die Revision der Nutzungsplanung bietet eine seltene Chance, das Steuer herumzureissen. Sie kann
entscheiden, ob die Gemeinde in Zukunft wirtschaftlich atmen kann oder weiter im Korsett veralteter Strukturen steckt. Doch dafür braucht es Mut: Mut, auch einmal Nein zu sagen, wenn eine Zone keine Zukunft hat. Mut, Verdichtung zuzulassen, wo es sinnvoll ist. Und Mut, nicht jedes Tal, jeden Hang, jedes Dorf gleich behandeln zu wollen.

Planen heisst Prioritäten setzen. Wer das unterlässt, riskiert nicht nur den Verlust von Landschaft, sondern auch den Verlust von Handlungsspielraum, der in Glarus Süd längst zum Luxus geworden ist.

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