Vom Luxusproblem zur Landesverteidigung
14. Dezember 2025
Noch vor wenigen Jahren diskutierten wir in der Schweiz darüber, ob die Armee
überhaupt noch nötig sei. Für viele war sie ein teures Relikt aus einer vergangenen Zeit.
Die Debatten drehten sich um Gleichstellung, Klimapolitik und Digitalisierung. Sicherheit
war ein Luxusproblem, das man sich kaum überlegte. Ein LinkedIn-Beitrag von Cécile
Klusák hat es für mich perfekt auf den Punkt gebracht (ich zitiere sinngemäss): «Früher
dachte ich: Wenn Krieg ist, hoffentlich geht überhaupt jemand für uns kämpfen. Heute
denke ich: Wenn Krieg ist, womit sollen wir kämpfen?»
Tatsächlich ist die Welt heute eine andere. Während Länder wie Polen ihr Militärbudget
auf drei bis vier Prozent des BIP erhöhen, liegt die Schweiz noch immer unter einem
Prozent und selbst dieser Wert wird heftig diskutiert. Gleichzeitig steigen die
Anforderungen: Cyberabwehr, Drohnentechnologie, Luftverteidigung, Schutz kritischer
Infrastrukturen etc.. Die Frage ist längst nicht mehr, ob die Schweiz zu viel für die Armee
ausgibt. Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, zu wenig auszugeben.
Auch die Schweiz spürt diesen sicherheitspolitischen Wandel deutlich. Themen wie
Zivilschutz, Krisenvorsorge oder der Schutz kritischer Infrastrukturen werden heute
ernsthafter behandelt als noch vor wenigen Jahren. Was früher nach Katastrophenfilm
klang, ist inzwischen Teil der realen Risikoanalyse. Gleichzeitig bleibt unser Alltag
erstaunlich friedlich und genau das macht es so verlockend, Sicherheitspolitik zu
verschieben oder kleinzureden. Doch Vorsorge entsteht nicht in der Krise, sondern in
Zeiten, in denen man versucht ist zu glauben, man brauche sie nicht mehr.
Vielleicht braucht es einen nüchternen Blick: Sicherheit ist wie eine Versicherung. Man
merkt erst, dass man eine braucht, wenn es zu spät ist. Hoffen wir, dass die Schweiz die
nötige Versicherung rechtzeitig abschliesst.
